Über 1.300 Menschen haben auf Twitter abgestimmt
Die beste und schlimmste Schüllektüre

20. August 2018


Foto: Vanessa Sky (@kleideraufreise)


 
Alles fing mit einer kurzen Frage auf Twitter an. „Was war das schlimmste Buch, das ihr während eurer Schulzeit lesen musstet und was war das beste?“, fragte ich in einem kurzen Tweet. Daraufhin entstand eine lebhafte und spannende Diskussion, die innerhalb der nächsten 24 Stunden von über 1.300 Menschen beantwortet, über 400 geteilt und über 600 Mal favorisiert wurde.

Screenshot vom Tweet vom 13. August 2018 nach der Frage der besten und schlimmsten Schullektüre, dieser Tweet ging viral und erhielt über 1000 Antworten

Zu spannend waren die Antworten, um sie einfach im Nirvana des Internets verschwinden zu lassen, weswegen ich begann, eine Statistik zu führen. Herausgekommen sind zwei interessante Listen: Eine Liste der beliebtesten Schullektüren und eine der unbeliebtesten. Allerdings möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit stelle. Abgesehen davon ist diese Befragung selbstverständlich ohnehin nicht repräsentativ, da jeder antworten konnte, der wollte.

Dies sind die zehn beliebtesten Schullektüren:
Autor Buchtitel Jahr
1 Johann Wolfgang von Goethe Faust. Der Tragödie erster Teil 1808
2 Friedrich Dürrenmatt Die Physiker 1962
3 Aldous Huxley Brave New World 1932
4 Friedrich Dürrenmatt Der Besuch der alten Dame 1956
5 Otfried Preußler Krabat 1971
6 George Orwell Nineteen Eighty-Four 1949
7 Max Frisch Homo Faber 1957
8 Morton Rhue Die Welle 1981
9 Patrick Süskind Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders 1985
10 Franz Kafka Die Verwandlung 1915
Die beliebteste Schullektüre ist „Faust“
Mit einem deutlichen Vorsprung (fast doppelt so viele Stimme wie Platz 2) führt „Faust“ die Liste der beliebtesten Schullektüren an. Mehr als jeder Zehnte stimmte für den Klassiker. Einziger Wermutstropfen für alle Goethe-Fans: „Faust“ befindet sich auch auf Platz 7 der unbeliebtesten Lektüren.

Dürrenmatt erfreut sich großer Beliebtheit
Anders hingegen ist es da beim zweiten Platz. Während Goethe polarisiert, erfreut sich Dürrenmatt offensichtlich großer Beliebtheit. „Die Physiker“ wurde fast ausschließlich bei den besten Schullektüren genannt, ebenso wie „Der Besuch der alten Damen“. Mit „Der Richter und sein Henker“ (Platz 12) wäre Dürrenmatt beinahe sogar drei Mal unter den zehn beliebtesten Lektüren vertreten gewesen.

Weitere beliebte Lektüren
Neben „Die Physiker“ gibt es aber noch ein paar weitere Werke, die fast nur auf der Seite der besten Lektüren genannt wurden, aber leider nicht den Sprung in die Liste der zehn beliebtesten Schullektüren geschafft haben. Zu nennen sind hier vor allem Remarques „Im Westen nichts Neues“ (Platz 18), Zweigs „Schachnovelle“ (Platz 20) und von Horváths „Jugend ohne Gott“ (Platz 25).

Nur zwei Jugendbücher
Mit „Krabat“ und „Die Welle“ haben es leider nur zwei Jugendbücher in die obige Liste geschafft. Knapp verfehlt haben die Liste „Damals war es Friedrich“ (Platz 17), Pausewangs „Die Wolke“ (Platz 28), „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (Platz 31) und „Tschick“ (Platz 35), die alle ebenfalls recht häufig genannt wurden.

Englischsprachige Werke
Überraschend ist, dass auch zwei Lektüren aus dem Englischunterricht Einzug in die Top 10 gehalten haben, nämlich „Brave New World“ und „Nineteen Eighty-Four“. Mit Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ (Platz 21) wurde eine weitere englischsprachige Dystopie ebenfalls sehr häufig erwähnt. Alle drei Werke wurden übrigens äußerst selten bei den unbeliebtesten Lektüren genannt. Ebenfalls sehr beliebt waren diverse Shakespeare-Titel (hier führte „Macbeth“ auf Platz 11) und Salingers „The Catcher in the Rye“ (Platz 19). Etwas weiter hinter, aber immer noch oft genannt wurden Harper Lees „To Kill a Mockingbird“, „The Perks of Being a Wallflower“ und Oscar Wildes „The Picture of Dorian Gray“.

Schauen wir uns nun die zehn unbeliebtesten Schulleküren an:
Autor Buchtitel Jahr
1 Theodor Fontane Effi Briest 1896
2 Johann Wolfgang von Goethe Die Leiden des jungen Werthers 1774
3 Max Frisch Homo Faber 1957
4 Theodor Storm Der Schimmelreiter 1888
5 Friedrich Schiller Kabale und Liebe 1784
6 Georg Büchner Woyzeck 1879
7 Johann Wolfgang von Goethe Faust. Der Tragödie erster Teil 1808
8 Wolfgang Koeppen Tauben im Gras 1951
9 Patrick Süskind Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders 1985
10 Bernhard Schlink Der Vorleser 1995
Die unbeliebteste Schullektüre ist „Effie Briest“
Gemessen an den Kommentaren und deren Häufigkeit kann man nur jeder Lehrkraft davon abraten, „Effie Briest“ im Unterricht zu lesen. Geradezu traumatisiert waren einige von dieser Lektüre. Auch hier gab es übrigens einen enormen Vorsprung zum zweiten Platz - mehr als doppelt so viele Stimmen. Mehr als jeder Zehnte der Befragten gab Fontanes Werk als das schlimmste oder eines der schlimmsten Bücher der Schulzeit an.

Einige Bücher polarisieren immsens
Am meisten schieden sich die Geister bei Goethe, der zwar die Liste der beliebtesten Lektüren mit „Faust“ anführt, der es jedoch auch direkt zwei Mal in die Liste der unbeliebtesten Werke geschafft hat und mit „Iphigenie auf Tauris“ auf Platz 11 fast sogar ein drittes Mal. Fast gleichermaßen scheinen auch „Das Parfum“ und „Homo Faber“ unterschiedliche Gefühle ausgelöst zu haben, auch sie tauchen auf beiden Listen auf. Weitere Werke, die ebenfalls polarisierten, sind Bernhard Schlinks „Der Vorleser“, William Goldings „Herr der Fliegen“, Wolfs „Kassandra“, Fontanes „Irrungen, Wirrungen“, Kafkas „Die Verwandlung“ und Salingers „The Catcher In The Rye“, offensichtlich teils auf Deutsch, teils auf Englisch gelesen. Sie alle wurden sehr oft genannt, allerdings auf beiden Seiten fast gleich häufig.

Weitere überwiegend unbeliebte Lektüren
Hervorzuheben aus der Liste der unbeliebtesten Schullektüren ist sicherlich „Tauben im Gras“, das fast ausschließlich nur bei den schlechtesten Büchern genannt wurde. Dasselbe Schicksal ereilte auch der Jugendbuchklassiker aus den 1970er Jahren „Rolltreppe abwärts“, Thomas Manns „Der Tod in Venedig“, Gotthelfs „Die schwarze Spinne“, von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“ und Schneiders „Schlafes Bruder“.

Vielen Dank an alle, die abgestimmt haben
Zum Schluss darf ich mich noch herzliche bei allen Twitter-Benutzern bedanken, die so lebhaft an der Diskussion teilgenommen, mitgelesen und mitdiskutiert haben. Falls ich auf einen eurer Kommentare nicht geantwortet habe, bitte ich dies zu entschuldigen, aber während der heißen Phase gingen bei mir im Sekundentakt die Benachrichtigungen ein.

Kategorien: Literatur

Thorsten Steffens

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