Charaktere, Personen, Figuren - was stimmt denn nun?
Zwei häufige Ausdrucksfehler

02. Juli 2018


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Ausdrucksfehler - wir alle kennen sie, wir alle machen sie. Meistens sind es gängige Fehler, die wir öfter hören: Der falsche Vergleichspartikel bei Steigerungen von Adjektiven („größer wie“ anstatt „größer als“) oder die paradoxen Absolutadjektive („der einzigste“ anstatt „der einzige“). Aber in letzter Zeit begegnen mir zwei Ausdrucksfehler immer wieder - leider auch auf renommierten Internetseiten oder in Büchern der Publikumsverlage.

Wir alle machen Fehler. Klar. Meistens solange, bis uns jemand darauf aufmerksam macht. So habe ich selbst noch während meines Studiums immer gedacht, das deutsche Wort „pathetisch“ hieße (analog zum Englischen) in etwa „bemitleidenswert“. Bis mich irgendwer auf meinen Fehler aufmerksam machte und mir sagte, dass es tatsächlich so viel heißt wie „übertrieben feierlich“. Im Grunde also gar nichts mit meiner Vermutung zu tun hatte. Man lernt halt nie aus.

Das Wort „Charakter“ kann man im Deutschen nicht synonym für den Begriff „Figur“ verwenden. Es ist ein sogenannter falscher Freund. Ein Satz wie „Die Charakter in seinem Buch waren sehr real“ ist falsch.
Solche Wörter nennt man übrigens „false friends“ (zu deutsch: falsche Freunde), das heißt ein englisches Wort klingt oder wird ähnlich geschrieben wie ein deutsches Wort. Tatsächlich bedeutet es aber etwas anderes. Der Klassiker aus dem Englischunterricht: „I'll become a steak.“ (zu deutsch: „Ich werde zum Steak.“) Denn das Wort „become“ heißt eben nicht „bekommen“, sondern „werden“.

Ein „false friend“ ist auch einer der Ausdrucksfehler, die mir in letzter Zeit immer wieder begegnen. Das deutsche Wort „Charakter“, das von vielen Leuten - selbst von Akademikern - irrtümlicherweise für das deutsche Wort „Figur“ verwendet wird. In etwa: „So entwickelt ihr lebendige Charaktere für euren Roman!“ Dieser weitläufige Fehler ist durchaus nicht dem Zufall zu verdanken, sondern die englische Übersetung des Wortes „Figur“ ist tatsächlich „character“. Es wäre also absolut in Ordnung, wenn ein englischsprachiger Blogbeitrag „How to create vivid characters“ hieße. Ebenfalls noch gerne verwendet wird hier der Begriff „Person“, der aus literaturwissenschaftlicher Sicht allerdings ebenso falsch ist: Personen sind real, Figuren sind fiktiv.

Der zweite wirklich weit verbreitete Fehler, den man selbst in Büchern der Publikumsverlage findet, ist der Unterschied zwischen „Wörter“ und „Worte“. Beide Pluralformen existieren, bedeuten aber jeweils etwas anderes. Der Begriff „Wörter“ ist der eigentlich Plural von „Wort“. Ein Wort, zwei Wörter. Wörter kann man also zählen. Worte wiederum nicht. Denn „Worte“ sind beispielsweise eine Rede oder eine Ansprache (zum Beispiel: „Die Königin richtete ein paar Worte an ihre Gäste.“)

Man kann tatsächlich nicht alles wissen. Als ich die korrigierte Fassung meines Romans „Klugscheißer Royale“ erhielt, staunte ich nicht gerade wenig angesichts der vielen Fehler, die mir nicht aufgefallen waren. Apropos, wer noch auf der Suche nach einem guten Korrektorat ist, dem kann ich gern Julia Feldbaum empfehlen, die mein Buch für Piper korrigiert hat.
Also Kopf hoch, wenn euch die beiden oben genannten Fehler noch nicht bekannt waren. Jeder macht Fehler. Glücklich ist derjenige, der sie als eine Chance zum Lernen und Wachsen begreift.
 

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